Verantwortung

Vor den verblüfften Augen der Weltöffentlichkeit passierte vor wenigen Wochen der „Brexit“, der nicht für möglich gehaltene Austritt Großbritanniens aus der EU. Unglaublich viele Kommentare, Deutungsversuche und Zukunftsprognosen wurden seither von unzähligen Autoren in die Welt gesetzt. Eine der am häufigsten gestellten Fragen war: „Wie konnte so etwas überhaupt passieren?“

Ich möchte heute versuchen – etwas vereinfacht – eine geistliche Antwort zu geben. Es ist erstaunlich, wenn man mitbekommt, wer – statistisch gesehen – für den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt hat: Es waren vornehmlich zwei Personengruppen!  Erstens: die Älteren bzw. Alten, die die weitreichenden Folgen des Brexits zum Teil gar nicht mehr erleben werden. Zweitens: die ungebildeten und einfachen Menschen, die so gut wie keinerlei Einblick in die komplexen Zusammenhänge einer solchen Entscheidung besitzen … Sie hatten einfach nach ihrem Empfinden abgestimmt.

In meinen Augen gab es bereits vor Jahren einen entscheidenden Fehler: Wenn man eine Entscheidung von so großer Tragweite in die Hände von Menschen legt, die schlichtweg von ihrem Wissen und ihrer Kompetenz her nicht in der Lage sind, ein solches Geschehen zu beurteilen, handelt man grob fahrlässig.

Nach außen hin klingt es so toll und demokratisch, wenn man eine Volksabstimmung ins Auge fasst. In Wahrheit aber gibt es für mich an dieser Stelle einen krassen Mangel an kompetenter Leitung und persönlichem Verantwortungsbewusstsein. Wenn ich Entscheidungen in die Hände von jemandem lege, der von seinem Wissen und seiner emotionalen Befindlichkeit her nicht in der Lage ist, bestimmte Zusammenhänge zu durchschauen, zeige ich damit, dass ich meiner persönlichen Verantwortung als Leiter nicht wirklich gerecht werde.

Stell dir einmal vor, Vater und Mutter würden ihre drei bis sechs Jahre alten Kinder zu einem Familienrat zusammenrufen und Folgendes sagen: „Ihr Lieben, wir werden ein Haus kaufen. Wir möchten als Eltern, dass ihr heute entscheidet, welche der innovativsten und höchst komplizierten Heizungsanlagen wir installieren werden, welche Dämmung wir nehmen werden, damit das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt und auf welchem Niveau die Elektroinstallation im Haus vorgenommen werden soll …“ Crazy – nicht wahr?

Niemals dürfte man eine solche Entscheidung in die Hände von Kindern legen! Sie würden rein emotionell – und damit wahrscheinlich falsch – handeln.

Genau das ist in meinen Augen beim Brexit passiert. Interessanterweise haben sich viele der Hauptverantwortlichen für die Kampagne nach dem Volksentscheid aus der weiteren Verantwortung zurückgezogen … So sieht verantwortliche Leiterschaft nicht aus!

Wir wollen hier andere nicht richten oder veruteilen. Aber wir wollen unbedingt aus solchen Fehlern lernen! Schon in der Bibel finden wir zahlreiche Beispiele von Menschen, die ihrer Leiterschaftsverantwortung nicht nachkamen. Die Bücher der Könige z. B. sprechen Bände. Oder Jesus erzählt von dem Schafhirten, der die Schafe nur wie ein Mietling verwaltete, und als die Herausforderung kam, sich davonmachte… u.v.a.m. könnte man erwähnen.

Ich möchte uns alle heute von Herzen ermutigen, die Verantwortung anzunehmen, in die Gott einen jeden persönlich gestellt hat. Du kannst nicht etwas an Menschen delegieren, die dazu keine Kompetenz oder keinen Auftrag haben. Den Platz, an den Gott dich gestellt hat, musst du in Gemeinde, Gesellschaft und Beruf/Schule ausfüllen und dafür Verantwortung übernehmen. Das kannst du nicht anderen überlassen.

Eines ist sicher: Wo immer du deinen Platz ausfüllst und deine gottgegebene Verantwortung wahrnimmst, wird der Segen des Herrn mit dir sein.

Du bist viel wichtiger, als du denkst! Deine Entscheidungen zählen und haben Konsequenzen – mehr als wir das oft sehen!

Lass uns zum Segen für die sein, die Gott uns anvertraut hat.

Mit lieben Grüßen,

Peter Wenz