SÜDAFRIKA – Ausgangssprren

Oft kommt es anders, als man denkt. Aber selten haben sich bisher die Dinge so schlagartig verändert wie in den letzten Wochen. Das kann sehr angsteinflössend sein – besonders dann, wenn man sein Leben auf etwas anderem aufgebaut hat als auf  „dem ewigen Felsen“. Sein Name ist Jesus Christus!

Ich finde es sehr befremdlich, wie schnell sich Menschen unter dem Einfluss von Angst verändern. Auf dem Weg zum Lebensmittelgeschäft werde ich von der Militärpolizei kontrolliert. Sie kontrollieren strikt, ob sich jeder an die Ausgangssperre hält. Wer beim Spazierengehen oder nicht auf dem kürzesten Weg zum Lebensmittelladen erwischt wird, muss mit einer Verhaftung rechnen. In der ersten Woche der Ausgangssperre wurden so mehr als 17.000 Menschen festgenommen. Auf dem überfüllten Parkplatz des Lebensmittelladens angekommen, sehe ich ca. 100 Menschen vor dem Eingang Schlange stehen. Fast alle tragen Gesichtsmasken und Gummihandschuhe. Einige erkenne ich trotz Maskierung, aber jeder Versuch zu grüßen prallt an den Menschen ab, die jegliche Interaktion miteinander ignorieren und schweiglos vor sich hin starren. Im Geschäft sind viele Regale leer, die Preise fehlen an vielen Produkten und der Laden ist viel unordentlicher als sonst. Überall wird mit Chemikalien herumgesprüht und die Angestellten im Laden sehen zum Teil aus wie Chirurgen kurz vor der Operation. Viele Sachen auf meiner Einkaufsliste bekomme ich heute nicht und nur widerwillig nimmt die Frau an der Kasse, die hinter einer Plexiglasscheibe sitzt, mein Bargeld entgegen. Sie zeigt vorwurfsvoll auf das Kartenlesegerät, das sich auf meiner Seite der uns trennenden Glasbarriere befindet. Nachdem sie mir das Wechselgeld zurückgibt, desinfiziert sie sich nervös die Hände. Da kommt mir plötzlich der Gedanke, dass dies alles nur ein Alptraum sein könnte – aber es ist keiner.

In den lokalen Medien wird davon berichtet, dass Ärzte und Pflegepersonal in den Krankenhäusern ihren Dienst verweigern. Sie haben Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Der Zustand in den Krankenhäusern hier ist auch im „Normalzustand“ bereits eine Katastrophe (zumindest aus deutscher Sicht) und wir haben schon mehrmals sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Doch wer in diesen Zeiten hier aus irgend einem Grund in ein Krankenhaus muss: Gott stehe ihm/ihr bei!

Was ist nur mit den Menschen passiert, dass sie sich nur innerhalb weniger Tage in scheinbare “Zombies” verwandelt haben? Es ist erschreckend zu sehen, was Angst mit den Menschen macht und wie leicht sie dadurch manipulierbar werden. Eine spannende Frage ist auch, wer sich diesen Sachverhalt in der Zukunft zu Nutze machen wird. Was für eine Herausforderung – aber zugleich auch Chance – haben wir hier als Christen, als echte Nachfolger von Jesus, um einen Unterschied in der Gesellschaft zu machen! Aber, um ganz ehrlich zu sein, habe ich momentan keine Ahnung, wie ich mein „Christsein“ in dieser Situation heute praktisch umsetzten kann. Doch stehen uns noch einige Wochen Ausgangssperre bevor und da finde ich sicher auch Zeit, um Gott um Ideen diesbezüglich zu fragen. Denn es ist abzusehen, dass viele Menschen aus unserem Umfeld sich sehr bald in einer großen gesundheitlichen und vor allem wirtschaftlichen Notlage finden werden. Sicher wird Covid19 irgendwann aus den Schlagzeilen verschwinden. Doch wenn ich meine Bibel richtig verstehe, dann müssen wir auch in der Zukunft mit ähnlichen Herausforderungen rechnen, die die Menschen weltweit in Angst und Schrecken versetzen. Laßt uns bereit dafür sein.

Eure Familie H.

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